Ich danke dem Verfasser des Wikipedia-Artikels ARTOP-Flug 531. Er hat mir endlich ein paar sachliche Hinweise auf ein Unglück geliefert, das mich seit 60 Jahren beschäftigt.
Es geht um den Absturz des Flugboots Martin PBM-5 Mariner „Porto Santo“ im Jahre 1958.
Mit an Bord waren neben 6 Besatzungsmitgliedern 30 Passagiere, zumeist Tourismusfachleute*, darunter mein Vater, Curt B. Frink, der damals 54 Jahre alt und Geschäftsführer der Firma Thomas Cook & Son in Frankfurt am Main war.
Curt B. FRINK wurde am 11. September 1904 in Köln geboren.
Seine Eltern starben früh, ebenso sein älterer Bruder und eine jüngere Schwester.
Er wuchs bei seiner Tante, Fräulein Wilms, auf.
Er besuchte das Realgymnasium, seine Lieblingsfächer waren Englisch, Französisch und Geschichte. Nach der Schule machte er eine kaufmännische Lehre und bekam seine erste Stelle im amerikanischen Konsulat in Köln.
1928 lernte er Mia Breuer kennen, zweitälteste von neun Geschwistern.
Nachdem er zur Firma Thomas Cook, dem ältesten Reisebüro der Welt, gewechselt hatte und für diese Firma zunächst in Köln, Berlin und Wiesbaden tätig war, übernahm er 1936 die Leitung des Frankfurter Büros in der Kaiserstraße 27.
Im Mai 1939 heiratete er Mia Breuer. Die beiden Kölner wohnten in der Rheinstraße 23 bis zur Ausbombung im Jahr 1944. Den gesamten Krieg über hielt er das Büro der englischen Firma, wenn auch nur stundenweise, offen. Da er wegen einer vorausgegangenen Erkrankung nicht wehrtauglich war, wurde er zeitweise zu einer Briefprüfstelle (Zensur fremdsprachiger Post) eingezogen, obwohl er zu keiner Zeit der NSDAP angehörte.
Nach Evakuierung, Rückkehr noch vor Kriegsende nach Frankfurt und Weiterführung des Büros. 1946 Geburt der Tochter Gloria.
Thomas Cook wurde 1948 verstaatlicht (British Railways) und gehörte bis in die 60er Jahre zu den größten Reiseunternehmen der Welt.
Der aufblühende Tourismus in den 50er Jahren führte zur Erschließung immer neuer Reisedestinationen insbesondere auch für den Pauschaltourismus. Siam, Ägypten, Hong-Kong, Macao, Sizilien, Spanien, zu all diesen Destinationen reiste mein Vater, um die Vermarktungs-Chancen vor Ort kennen und einschätzen zu lernen. Seine fundierten historischen Kenntnisse machten diese Geschäftsreisen nicht nur für ihn, sondern auch für die mitreisenden Reise-Fachleute zu besonderen Erlebnissen, von denen er lebhaft und ausführlich berichtete.
Curt B. Frink (rechts) in Angkor Wat
Das für ihn letzte Ziel war Madeira, das damals noch nicht über einen Flughafen verfügte und deshalb mit einem Flugboot erreicht werden sollte. Über dieses Flugboot und über seinen Piloten kann man in Wikipedia mehr erfahren, so zum Beispiel, dass es sich bei diesem Flug um eine Art Jungfernflug eines umgebauten ehemaligen Militärflugzeugs handelte.
Noch kurz vor dem Abflug in Frankfurt, stand noch nicht fest, ob mein Vater zeitgleich zur jährlichen Thomas-Cook-Versammlung nach London hätte fahren müssen. (In diesem Fall wäre sein ebenfalls im Frankfurter Büro beschäftigter jüngerer Schwager, Paul Breuer, geflogen). Mein Vater freute sich, als es doch klappte. Es war sein erster Besuch in Portugal.
Meine Mutter brachte ihn zum Flughafen. Sie erzählte, dass eine Teilnehmerin aus Hamburg beinahe den Abflug verpasst hätte.
Karte am 9. 11. 1958 abgeschickt.
Am 10. 11. erhielten wir die Nachricht vom Unglück. Widersprüchliche Nachrichten.
Den Rat, keine Zeitungen zu lesen, befolgten, wir nicht. Da gab es Meldungen, das Flugboot sei aus eigener Kraft zurück nach Lissabon zurückgeschwommen, dass Wrackteile gefunden worden seien und anderes, was allein der Fantasie der Journalisten entsprungen war.
Fest steht, am 9. 11. 1958 stürzte das Flugboot ins Meer ohne einen Funkspruch abgesetzt zu haben und ohne irgendeine Spur.
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Gloria Schieback, geb. Frink